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Das Forscherdrachenexperiment V

...und Meister Savyen antwortete: „Ein missglückter Hybrid aus Adors Labor.“ Dann begann er sich in der Vergangenheit zu verlieren. „Damals wollten wir alle den perfekten Hybriden erschaffen. Einen unbesiegbaren Wächter, der den Turm bewachte, damit wir nicht immer mit diesen lästigen Sicherheitszaubern herumhantieren müssen. Einen intelligenten Helfer, der einem zur Hand geht und obendrein ein Mahl servieren kann. Ich meine, wer will schon dumme Unmagische um sich haben... außer der Herrn von Naganor. Der fühlt sich in dieser minderwertigen Gesellschaft sichtlich wohl.“
In diesem Moment setzte sich das Monster in Bewegung und rannte direkt auf sie zu. Mit zwei großen Sprüngen hatte sich der Abstand bereits halbiert und Astarion stieß einen Angstschrei aus. Doch er verfiel nicht in lähmende Starre, sondern hob beide Arme und Magie schoss aus seinen Handflächen. Blaue Wassermagie aus der einen und Feuermagie aus der anderen. Aber die mäßig starken Lanzen aus Feuer und Wasser trafen nicht das anvisierte Ziel, sondern kreuzten sich noch vor dem Biest und verwandelten sich zischend in Wasserdampf. Schlagartig befand sich alles in einer Nebelwolke und Meister Savyen fluchte, denn der Wasserdampf beeinträchtigte auch seinen Zauber. Doch als Meister des Kreises Blau fand er schnell eine andere Lösung und Adors Hybrid prallte nur eine Elle vor den beiden Menschen entfernt mit seinen Hörnern gegen eine unsichtbare Wand. Dann schleuderte ihn ein magischer Schlag rückwärts und er landete im Teich. Die Bestie heulte, Astarion kreischte und Meister Savyen brüllte:
„Ruhe jetzt!“
Dieses Machtwort zeigte tatsächlich die gewünschte Wirkung. Das Geheul des Monsters reduzierte sich zu einem leisen Wimmern und Astarion verstummte ganz und sah nun mit weit aufgerissenen Augen seinen Ururgroßvater an.
Er wirkt ein wenig verstört, stellte Meister Savyen fest und fühlte sich genötigt, den Jungen etwas aufzubauen. „Ähm Parallelmagie, das hast du gut gemacht. Wenn auch noch ein wenig unstetig. Das müssen wir üben, damit es besser wird.“
Inzwischen hatte sich auch Astarion wieder gefasst und äugte zu dem Monster hinüber.
„Was machst du jetzt mit ihm, Großvater Meister Savyen?“ Hoffentlich tötet er das Horntier. Es macht mir Angst.
Meister Savyen verzog die Mundwinkel, als ob die Gegenwart des Monsters gar nicht der Rede wärt wäre. „Droste, hör endlich auf mit dem Gewimmer. Dir fehlt nichts.“
Und da begann die Bestie undeutlich zu reden: „Mein Hinten tut weh und vorne auch. Arg weh.“
„Selbst schuld“, urteilte Meister Savyen, „Du wolltest uns angreifen. Uns mit deinen Hörnern aufspießen.“
„Wollte nicht. Nur schnell rennen zu Meister. Ich mich freuen, Meister da.“
„Er lügt!“, stellte Astarion sofort fest, dem der verschlagene Gesichtsausdruck des Monsters nicht entgangen war.
„Ja, das tut er. Darum wohnt er auch nicht mehr im Turm. Dumm und verlogen ist einfach zu viel.“ Das Monster senkte den Kopf und begann zu trinken, so als würde ihn alles nichts angehen.
Darum empfand Astarion die Bedrohung auch nicht mehr als so groß – zumindest solange wie Meister Savyen in seiner Nähe war. „Und er heißt Droste?“
Meister Savyen nickte. „Ja, so habe ich ihn genannt. Schien mir passend, als er noch kleiner war. Da war er sogar noch irgendwie niedlich. Aber mit der Zeit hat er sich nicht zum Bessern entwickelt. Ich glaube, der Kuhanteil ist zu hoch. Das macht ihn dumm und der Anteil an Drache fügt Verschlagenheit hinzu.“
„Er stammt von einem Drachen ab?“, fragte Astarion neugierig und Meister Savyen war gerne bereit, über die Wissenschaft zu sprechen, denn über was sonst sollte er mit einem Kind reden.
„Ja, Droste ist eine Mischung aus Kuh, Pferd, Drache und Mensch.“
„Whow, das sind ja viele Tiere. Und das hat funktioniert?“, staunte Astarion.
„Mehr schlecht wie recht“, gab Meister Savyen zu und holte dann weit aus: „Ador hatte damals schon seine Koogs erschaffen und wir redeten viel über dieses Thema. Ich selbst kam da nicht recht weiter und er bot seine Hilfe an. Behauptete mit Überzeugung, er hätte aus den Fehlern beim Erschaffen der Koogs gelernt und könne es nun deutlich besser machen. Unter uns gesagt, dein Großvater aus der anderen Linie ist ein ganz schöner Angeber. Kennst du ihn überhaupt?“
Astarion schüttelte den Kopf. „Nein, mein Papa wollte das nicht.“ Der Gedanke an Eryn stimmte Astarion traurig, doch Meister Savyen fuhr mit der spannenden Forschungsgeschichte fort und lenkte ihn damit ab.
„Ist wahrscheinlich sogar besser so. Ador hat schon so seine Eigenheiten, aber er ist ein verdammt guter Magier und, bei den Salzheringen, er weiß, wie man richtige Forschung betreibt. Darum habe ich ihm auch geglaubt und zusammen ersannen wir die Imagination eines außerordentlichen Wesens. Den Körper eines Pferdes sollte es haben und riesige Adlerschwingen. Aus dem Rumpf sollte ein menschlicher Oberkörper mit zusätzlichen Armen und einem ganz normalen menschlichen Haupt herauswachsen. Ein Wesen, welches rennen und fliegen kann, aber gleichzeitig auch über Feinmotorik und einen klugen Kopf verfügt. So sollte Dormestation werden. Doch letztendlich wurde er nur ein Droste.“
„Und wie macht man so ein Tier überhaupt?“
Sein wissenschaftliches Interesse gefällt mir. „Nun hauptsächlich braucht man Sperma und Magie dafür. Also gab ich meine Saat und Ador besorgte den Rest der Zutaten. Aber nicht so, wie wir es besprochen hatten. Dass das da keine Adlerschwingen sind, war mir schon nach der Geburt von Droste klar und als ich Ador deswegen zur Rede stellte, lavierte er endlos herum. Der große Ador gibt nämlich nicht gerne zu, dass er versagt hat. Doch schließlich gestand er ein, dass nicht alles nach Plan gelaufen war. Die Adlersaat hatte sich nicht mit dem Rest verbunden und das Drachenerbgut hätte er nur deswegen eingefügt, damit sich die Flügel vergrößerten. Die Saat stammt angeblich vom Großen Grauen selbst. Du musst wissen, das war nämlich ein riesiger Drache und ich habe mich oft gefragt, wie Ador überhaupt an diese Zutat gekommen ist. Muss irgendein halb vertrockneter Rest gewesen sein, denn richtig entfaltet hat sich dieser Anteil auch nicht. Und dann hat Ador noch eine Verunreinigung mit dem Sperma eines Bullen zugegeben. Erklären konnte er sich das auch nicht. Vermutlich war die Phiole nicht richtig gereinigt worden...“
In der weiter entfernten Höhle kreischte jemand auf. Was für ein Frevel! Die widerwärtigen Menschlein experimentieren mit der ersten Spezies. Ungeheuerlich! Und nicht nur mit irgendeinem Drachenerbgut. Nein, mit dem des Erhabenen selbst. Diese verkorkste Kreation teilt mein Erbgut.
Manchmal hatte sich Vedi einen Bruder gewünscht, mit dem er seine wissenschaftlichen Erkenntnisse teilen konnte – aber sicherlich keinen Droste.
Doch das Gespräch in der Oase ging weiter und Vedi lauschte mit gespitzten Ohren.
„Wie kommt man denn an die Saat? Ich weiß, das hat mit dem Schniedelwutz zu tun. Aber aus meinem kommt nur Pipi. Oder ist die Saat bereits im Pipi drin?“
„Ähm.“ Tatsächlich wurde Meister Savyen gerade rot im Gesicht. Dann lachte er. „Das lernst du noch früh genug. Da muss man ein bisschen älter werden und es braucht Frauen dazu...“
„Also geht das hier in Draegnok sowieso nicht, weil es hier keine Mädchen gibt“, schlussfolgerte Astarion und Meister Savyen hielt es für klüger, dem jetzt vorbehaltlos zuzustimmen: „Ja, genauso ist das.“
Aber wie konnte Meister Savyen dann die Saat für Droste bekommen? Ob es hier früher Mädchen gab?
Gerade jetzt kam Droste aus dem Wasser und lenkte von dem etwas schwierigen Thema ab.
„Hunger. Droste hat Hunger.“ Dabei sah er Astarion mit einem gierigen Blick an, der keine Zweifel aufkommen ließ.
„Arrrg er will mich fressen!“, schrie Astarion auf und versteckte sich hinter Meister Savyen.
„Hier wird niemand gefressen. Platz, Droste, sonst wettert's!“
Winselnd legte sich Droste in den Sand und begann mit seinen Krallen Furchen zu ziehen, doch Astarion war das nicht geheuer und er drängte: „Gehen wir jetzt wieder heim? Hier gefällt es mir nicht.“

1.) Nein, ich muss noch ergründen, warum es hier eine Oase gibt
2.) Klar, wir sind hier fertig
3.) Gut wir gehen, aber Droste nehmen wir mit
4.) Mein Nachkomme, ein kleiner Feigling. Das ist sicherlich Adors Linie. Aber die Feigheit werde ich dir schon austreiben. Du wirst jetzt gegen Droste kämpfen.